Nicola Zimmerle

Der Mensch von innen und aussen

Aus dem menschlichen Innenleben heraus und zurück zur fotografischen Aussenansicht des Menschen führt Clemens Mitschers Ausstellung "Staubsaugerbeutel und Phantombilder" in der Brotfabrik. Das übergreifende Thema der zwei Projekte ist die Infragestellung eines allerorts propagierten Individualismus. Eine Serie von neun Phantombildern zeigt auf beklemmende Weise, wie aus einer Reihe von Versatzstücken des menschlichen Gesichts unverwechselbare "Individuen" konstruiert werden, die dieser Bezeichnug spotten. Mitscher behalf sich bei der Herstellung seiner Arbeiten mit einem hochmodernen Gerät, dem Minolta Montage Unit, das speziell für das Montieren von Fahndungsfotos konzipiert wurde. In Zukunft wird das Gerät, das Mitscher sozusagen als künstlerisches Handwerkszeug verfremdet, auch in der kosmetischen Chirurgie und bei Designer-Entwürfen gebraucht werden. Dieser weiterführende Aspekt der Nivellierung alles Individuellen steht unausgesprochen und bedrohlich hinter der Serie des Künstlers. Mitscher, dafür bekannt, mit Fotografien alltäglichster Objekte überraschende ästhetische Ergebnisse zu erzielen, führt diese Idee in der 52teiligen Serie "Staubsaugerbeutel" fort. Die verschiedensten Staubsaugerbeutel sind im zusammengefalteten Zustand so aufgenommen, dass ihr eigentlicher Zweck nicht mehr zu erkennen ist und sie nur noch als witzige geometrische Abstraktionen erscheinen. Der Mensch, durchleuchtet oder künstlich konstruiert, wird zwar aus der Porträtpose, nicht aber vor den Objektiven der Fotografen verdrängt.

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