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Bilder nach Bildern
Ein Gespräch zwischen Eva Huber und Clemens Mitscher
(1990)
Wenn ich mir deine Arbeiten betrachte, dann könnte
man sagen, du machst Bilder nach Bildern, du verwendest
Material, das bildhaft bereits existiert. So versteht
sich auch weitgehend dein Desinteresse am Fotografieren
von Realität, so wie sie in der Natur oder im Alltag
vorhanden ist. Dich interessiert die Realität, wie sie
uns medial in Bildern vermittelt ist, egal ob sie bewegt
sind, du auf den Auslöser drückst und beispielsweise
ein Fernsehbild stoppst, einen Warenhausprospekt abfotografierst
oder private Fotos wiederverwendest. Reagierst du mit
deiner Arbeit auf die zunehmende Bildhaftigkeit unserer
Umwelt?
In gewisser Weise schon, denn ich finde, daß die Medienrealität
den Alltag bisweilen stärker bestimmt und dominiert
als die sogenannte Wirklichkeit des Lebens. So benutze
ich dann auch insbesondere die inszenierten Bilder,
um mit ihnen zu arbeiten. Das ist der Ansatz.
Jean Baudrillard hat einmal gesagt, daß "die Flüchtigkeit
all dessen, was von den Medien zu uns dringt, vorgegeben
ist durch den Zwang, diese Bühne nie leer zu lassen.
Musik, Spots, Flashs, Werbung, Information, Film, Sprecher
...es gibt keine Alternative zur Füllung des Bildschirms
- außer einer belanglosen Leere".(1) So ist der
Bestand, den ich vorfinde, dann auch enorm groß - ob
es sich nun um Fernsehsendungen, Printmedien oder um
private Schnappschüsse handelt. All dies ist eine reproduzierte
und/oder inszenierte Wirklichkeit, die jedoch wieder
zum Teil eines "jetzt" wird, wenn ich ihr ausgesetzt
bin.
Die Frage nach der Differenz von Realität und
Fiktion stellt sich heute in dieser Form nicht mehr,
denn es ist evident, daß z. B die Realität des TV-Bildes
durchaus handfeste Wirklichkeit ist und keine Fiktion,
daß sie also für viele Menschen viel realer ist als
ein Baum in der Natur, um es einmal kraß zu formulieren.
Die Erwartungshaltung der Menschen ist mittlerweile
so von einer Vorformulierung in den Medien geprägt,
daß sie ganz enttäuscht sind, wenn sie dann tatsächlich
am Markusplatz stehen, weil sie ihn sich nach all den
bildhaften Informationen, nach Postkarten, Zeitungsfotos,
Reiseführern etc. ganz anders vorgestellt haben. Insofern
ist die medial vermittelte schon eine ganz massive Realität,
die sehr konkret ist.
Generell ist heute die Tendenz zu einer verstärkten
Bildhaftigkeit festzustellen - sei es nun über Printmedien,
übers Fernsehen oder auch beispielsweise in der Stadtgestaltung
- also in unserem unmittelbarsten Lebensraum - durch
die Werbung, aber auch durch die sogenannte "Stadtverschönerung",
der wir permanent ausgesetzt sind. Wir sind von Bildern
belagert, nicht nur medialer Art, denn jedes Schaufenster
ist schließlich ein Bild für sich. In den versiegelten
Glasfassaden der Großstadtarchitektur ziehen das Stadtpanorama,
der Himmel, die Wolken, der vorbeiflutende Verkehr an
uns vorbei... Was stimuliert dich an dieser Bilderflut
?
Zunächst einmal, und hier möchte ich einen Gedankengang
Vilem Flussers übernehmen, werden die technischen Bilder
durch ihren scheinbar unsymbolischen, objektiven Charakter
vom Betrachter nicht mehr als Bilder, sondern als Fenster
angesehen. Er traut ihnen wie seinen eigenen Augen (2).
Das heißt, daß damit nicht mehr etwas Fiktives (wie
etwa ein Tafelbild), sondern eher etwas Reales wahrgenommen
wird.
Was mich dann an dieser Bilderflut stimuliert und mich
darauf reagieren läßt, ist die Fragestellung, in weichen
Zusammenhängen man diesem funktionalen Instrumentarium
der Macht ausgeliefert wird und zu welchen Auslassungen
dies führt. Eine primäre Folge ist sich steigernde Abhängigkeit
- also Sucht nach diesen Dingen. Ich habe beispielsweise
beobachtet, daß ich sonntags morgens grundsätzlich vor
dem Frühstück zum Briefkasten gehe, um den Prospekt
einer Großmarktkette herauszuholen, der in einer
Werbezeitung versteckt ist. Es ist verrückt, aber ohne
diesen Prospekt würde mir beim Frühstück direkt etwas
fehlen. Auch gibt es ja inzwischen das Frühstücksfernsehen,
was eine orale Sinnlichkeit schier überflüssig zu machen
scheint.
Die Medienrealität bestimmt längst unsere unmittelbaren
Lebenszusammenhänge, hat uns total von seinen vielfältigen
Erscheinungsformen abhängig gemacht.
Siehst du die Möglichkeit zur Unterscheidung zwischen
körperhafter Erfahrung, dem Dabeigewesensein, und dem
visuellen Nachvollzug von Ereignissen durch die Medien,
zwischen Nähe und Ferne, um es einmal so auszudrücken?
Wie wichtig ist es denn tatsächlich, in das Butterbrot
zu beißen und diese Erfahrung zu machen - oder aber
dieses nur anzuschauen, also optisch zu konsumieren
?
Das ist gar nicht einfach zu beantworten, weil das ja
auch eine Frage der Sinnlichkeit ist. Doch wie sinnlich
ist denn der Mensch innerhalb übermächtiger medialer
Präsenz überhaupt noch für die körperhafte Erfahrung,
wie du sie bezeichnest? Es interessiert doch primär
das, was einen umgibt. Und da wird doch ein wie auch
immer gearteter visueller Träger schon durch sein reines
"Vorhandensein zum Bestandteil der Umgebung - egal,
wie weit weg oder konkret die Information, das Objekt
oder das Geschehen, das er aufbereitet, wirklich gewesen
ist. Auf diese Art und Weise unterliegen wir dem ständigen
Trugschluß, bei allem dabei zu sein. Wobei ich jedoch
mein "Dabeisein" nutze, um damit zu arbeiten. Das ist
sozusagen eine ständige Arbeitsatmosphäre, der ich mich
aussetze.
Also koppelt sich die Ferne mit der Nähe in ganz
spezifischer Weise ?
Ja, und dies ist von der Technik abhängig, technisch
vermittelt.
Sind dies nicht im Grunde genommen Erfahrungen,die
man mit einer anderen Sinnlichkeit als mit einem rein
existentiell körperhaften Dabeisein erfährt? Wir befinden
uns doch mit unserer gesamten Sinneswahrnehmung in einem
Zustand permanenter Transformation.
So lange man den Trennungsstrich zu ziehen vermag, ja.
Doch gerade da liegt ja das Problem. Man muß sich heute
wirklich fragen, wo in dieser Zusammenballung medial
vermittelter und traditionell körperhafter Dinge der
Mensch die Chance zur Differenzierung überhaupt noch
bekommt; denn die Medien sind ja nun mal unauslöschlicher
Bestandteil unseres Lebens.
Irgendwie genießt du ja auch die ständige mediale
Präsenz, diesen visuellen Dauerkonsum.
Mitunter, man darf dabei jedoch nicht vergessen, daß
hinter diesen Bildinformationen massive wirtschaftliche
Interessen stehen, die diesen Markt der Suggestion ständig
forcieren. Da gehört dann beispielsweise auch die Fotoindustrie
dazu, die immer neue High-Tech--Wunderwerke auf den
Markt wirft: So zeichnet sich ein Fotoapparat heute
weniger durch optische Abbildungseigenschaften als vielmehr
durch seine elektronische Speicherkapazität und Programmsteuerungselemente
aus. Diese digital vorgegebenen "Bildhilfen" führen
bei zielgesetzter Anwendung zwar zum "technisch perfekten"
Bild, passen jedoch in Wirklichkeit die gestalterischen
Momente des Anwenders an vorgegebene Hardware-Software-Beziehungen
an. Dabei wird die Kreativität zum Spekulationsobjekt
marktwirtschaftlicher Strategien. Mit Hilfe von Still-Video-Kamerasystemen
können inzwischen auch Ganzbildinformationen auf
Diskette abgespeichert werden. Jeder kann zu Hause mit
Computer, Bildschirm und speziellen Anpassungsprogrammen
seine "Schnappschüsse" an die organisierte Ästhetik
anpassen. Eine Schärfung von Sinnlichkeit im Sinne der
Reflexion unmittelbarer Lebenszusammenhänge kann
hier nicht mehr stattfinden. Statt dessen integriert
sich die nunmehr funktionalisierte Eigenleistung nahtlos
ins übrige Mediengeschehen, wo Beitrag an Beitrag, Bild
an Bild gehängt ist. Diese mediale Überpräsenz
sprengt die Aufnahmebereitschaft für körperhafte
Erfahrungsprozesse.
Als eine sarkastische Reflexion dieser Dinge möchte
ich einmal aus heutiger Sicht Andy Warhols "Empire"
- Film bewerten: er hatte 1962 einen Tag und eine Nacht
mit feststehender Kamera nur das Empire-State-Building
gefilmt. Das Gebäude wurde durch diesen Beitrag in eine
neue, - nunmehr medial überlieferte Nähe gerückt,
die im täglichen Erfahrungsprozeß verlorengegangen war.
Am Ende eines Medientages stehen so viele Dinge im Raum,
daß man Wichtiges und Unwichtiges kaum voneinander zu
unterscheiden vermag. Läßt man beispielsweise verschiedene
Fernsehbeiträge auf mehreren Monitoren gleichzeitig
ablaufen, wird das System dieses - nunmehr parallelgeschalteten
- Multikomplexes an Bildinformationen transparent. Ein
ständiges "Wellenreiten" zwischen den Sendern mit der
TV-Fernbedienung schafft ähnlich irritierende Eindrücke.
Da eine Verwirrtheit des Verbrauchers medienstrategisch
jedoch absurd wäre, werden vermehrt nur solche Beiträge
angeboten, die auch bei gesteigertem Konsum leicht und
ohne großes Nachdenken aufgenommen werden können.
Wir haben, kabel- oder satellitengeschaltet, inzwischen
fast 30 Fernsehprogramme zur Auswahl, jedoch bei keinem
inhaltlichen Einfluß. Die Propagierung der vermehrten
Nutzung solcher High-Tech-Werkzeuge, mit dem Hinweis,
je mehr Auswahl, desto größer die Qualität, ist gegenüber
dem Publikum natürlich pure Täuschung, denn aufgrund
ihrer zentralistischen Organisation und Funktion verbietet
sich ja jede direkte Einflußnahme der Nutzer auf
die Medien.
Es ist also eigentlich das Prinzip des Konsumierens
von Information, das dich interessiert: daß wir im Grunde
eine Sache nach der anderen verschlingen und daß Informationen
einen Warencharakter bekommen, denn sie werden produziert,
konsumiert und sie wechseln sich ständig ab. Es geht
um diesen marktwirtschaftlichen Mechanismus, dieses
kapitalistische Prinzip der Warenproduktion und ihres
Verschleißes ...
...wie es sich z.B. auch in den Nachrichten ausdrückt,
deren Show ja davon lebt, ständig neue Dinge in den
Kontext eines "besonders Wichtigen" hinein zu katapultieren.
Um noch einmal auf dieses Verhältnis von Nähe und
Ferne zurückzukommen: Wenn du den Prospekt mit den Warenabbildungen
siehst, dann hast du ja das Stück Fleisch, die Uhr,
oder ein anderes Sonderangebot als realen Gegenstand,
der nicht so platt, zweidimensional abgebildet ist,
vor Augen...
...ich habe an sich das Dreidimensionale vor Augen,
obwohl ich das Zweidimensionale sehe. Das ist halt die
Suggestion, die macht Lust oder keine. Bei diesem gesamten
Verführungsmechanismus, da macht es bei mir sozusagen
"klick".
Das ist ein wichtiger Punkt: Diese Spannweite, die
ein realer Gegenstand auslösen kann, wie man also Leute
dazu kriegt, daß sie etwas kaufen sollen, das, was man
als Verpackung, an Verführungskunst in dieses Foto hineinlegen
muß, wie man es präsentiert: Die Inszenierung - und
sei sie noch so primitiv wie in einem Warenhausprospekt
- ist eine Realitätsebene, die im Objekt an sich nicht
drin liegt, die eine ergänzende, eine mediale Zutat
ist, die im Grunde genommen auch eine Zusatzinformation
zu dem konkreten Stück Fleisch bedeutet: Es ist eine
"Bereicherung" des konkreten Objektes in Bezug auf seinen
Wert in einer Gesellschaft.
Es interessiert dich also nicht so sehr die Qualität
der Dinge an sich, ihre ontologische Dimension, sondern
ihr Marktwert, wie man sie attraktiv verpackt, ihrem
Zauber verfällt, um sie in den Zirkulationsmechanismus
des Warenverkehrs einzuschleusen. Andererseits beschäftigst
du dich mit politisch virulenten Themen, wo du Fotomaterial
so einsetzt und kombinierst, daß nicht die spektakulären
Aspekte eines Geschehens bildhaft zum Ausdruck gebracht
werden, sondern eher das Nebensächliche, Unbedeutende,
Banale.
Wenn ich aus dem Fundus des Massenhaften etwas isoliere,
dann deswegen, weil es für sich selbst eine vielleicht
metaphorische Bedeutung erlangen soll, die ich unter
der Oberfläche des massenmedialen Kontextes sehe. So
ist beispielsweise "Stammheim" erst durch die Medien
zu einem geflügelten Wort geworden und - in welcher
Art und Weise auch immer von diesen benutzt worden.
Da ist es dann in erster Linie auch dieser signifikante
Begriff, der mich interessiert und den ich im Zusammenhang
mit seinem Vorhandensein auf einer Straßenbahnhaltestelle
benutzt habe, um ihn dann im anderen Zusammenhang zu
bewerten.
Bei dieser Arbeit argumentierst du bildhaft aus dem
Understatement des Normalen und Gewöhnlichen heraus,
sozusagen als Kontrast zum hochgradig Un-Normalen des
Anlasses, nämlich des Prozesses gegen die RAF--Mitglieder
in Stammheim. Darin liegt die Wirkung der Arbeit, die
ja kein anklagendes Bild ist, sondern eher einen traurigen
und trostlosen, erschreckend banalen Ort zeigt. Die
leicht verrutscht montierten Schnittstellen vermitteln
den Eindruck von Aus-Dem-Lot-Geraten, von Instabilität,
wobei die anonyme Blockhaftigkeit der Haltestellenarchitektur
assoziativ auf den tatsächlichen Gefängnisbunker
in Stammheim verweist. Es ist wohl kaum ein Bild, mit
dem sich die betroffenen RAF-Leute identifiziert hätten
als ein positives Bild vom revolutionären Kampf.
Durch die Oberflächenbehandlung mit Kaliumpermanganat
erreichst du einen Zustand der Verwitterung, wie du
es ausdrückst, metaphorisch des Vergessens der historischen
Situation, an die erinnert werden soll. Zu dieser Unschärferelation
passen auch die groß aufgerasterten Fotovorlagen.
Du willst also einerseits gegen dieses Vergessen an-arbeiten,
andererseits tragen die formalen Mittel, die du verwendest,
indem du Fotos durch Einwirken von Braunstein einem
Verwitterungsprozeß aussetzt, zu diesem Vorgang des
Vergessens und des sich nicht mehr Erinnerns geradezu
bei. Wenn du erinnerst, dann an Dinge, die auch in deinem
Gedächtnis eben schon verdrängt oder verwittert
sind...
...oder die irgendwann verwittert sein werden, jedoch
durchaus Potentiale von Allgemeingültigkeit besitzen,
die nicht auszulöschen sind, wenn man sie, wie auch
immer, benennt.
In einigen Arbeiten kombinierst du verschiedene Fotoausschnitte
zu klassischen Diptychon - und Triptychon-formen, um
auf diese Weise einen komplexen Bedeutungszusammenhang
auszuloten und zu erweitern, was mit einem einzigen
Foto nicht zu leisten wäre. Ich habe insbesondere deine
Arbeit "Kontext" im Kopf. Siehst du dich mit dieser
Vorgehensweise in der Tradition Heartfields ?
Wobei ich sagen möchte, daß ich wohl nicht wie Heartfield
ein "Monteur" bin, sondern eher versuche, verschiedenes
- durchaus Autonomes - gegeneinander zu setzen. Das
kann sich jedoch alles auf unterschiedlichen Ebenen
abspielen: zum einen in der Konfrontation Bild/Untertitelung,
durch die Gegenüberstellung und/oder Reihung verschiedener
Bilder oder zum anderen durch einen direkten Eingriff
in das Material, die fotografische Schicht.
Was die Flüchtigkeit der sich ablösenden Bildinformation
betrifft, so fällt mir auf, daß Ereignisse in ihrer
Bildhaftigkeit nur punktuell angesprochen werden. Es
ist immer der Moment eines größeren Sinnzusammenhanges,
der uns gerade mundgerecht oder besser bildgerecht serviert
wird. Du setzt bei dieser punktuellen Fixierung auf
einen optischen Spot eines bestimmten Ereignisses an,
isolierst ihn durch gezielte Schnittechnik und konfrontierst
diesen Ausschnitt mit anderen visuellen oder verbalen
Informationen. Dadurch pointierst du die Sache und erweiterst
ihren Bedeutungszusammenhang. Es ist ja ohnehin eine
Tendenz in der Berichterstattung vorhanden, einen komplexen
Sachverhalt zu reduzieren, ihn verkürzt und präzise
auf den Punkt gebracht an den Verbraucher weiterzugeben...
...es ist so etwa wie querlesen.
Ein generelles Thema deiner Arbeit ist tatsächlich
dieser Warencharakter unseres gesellschaftlichen Zustandes
: der in allem durchscheinende Warencharakter, ob es
jetzt um Bilder geht oder um Dinge, die man tatsächlich
kauft, um Information, um Kunst, die mittlerweile auch
ein Objekt geworden ist, das in die Warenzirkulation
eingeschleust ist. Das wird ja auch ganz klar in deiner
Arbeit "Die fette Periode", wo es um einen Wertzuwachs
eines Bildes geht, den du durch Verzerrung des Bildes
ausdrückst. Außerdem fragst du ja wohl auch nach der
Quelle des Geldes, indem du eine Handgranate als Signatur
für eine Rüstungsindustrie zeigst. Deine Bilder irritieren,
machen stutzig in dieser abrupten Nebeneinanderexistenz
von Dingen und Bildinformationen, die scheinbar nichts
miteinander zu tun haben...
..."scheinbar" in Anführungszeichen. Bei der M.A.S.S.A.
- Arbeit beispielsweise ist wichtig, daß die Bilder
willkürlich kombiniert sind, also nicht nach Warengruppen
geordnet, wie im Prospekt der Massa Handelskette. Hier
sind sie durcheinandergewürfelt, was ihre Austauschbarkeit
als Ware charakterisiert. Dennoch ist dies gerade beabsichtigt,
quasi als Reaktion auf den Anlaß der ursprünglichen
Bildverwertung im Werbeprospekt, der rein marktstrategisch
war...
...Worauf du dann durch die spezielle Schreibweise
der Bilduntertitelung verweist. Du konstruierst mit
den Punkten zwischen den Buchstaben M.A.S.S.A. sozusagen
eine Signatur für einen assoziativen Bedeutungszusammenhang,
wie er sich fatalerweise auch in dem bekannten Kürzel
N.A.S.A. aufdrängt.
Ohne diese Pünktchen gedacht, bedeutet es ja zum
einen die "Massa"- Verkaufskette, zum anderen jedoch
auch das gleichnamige Kürzel für "Master", wie die Sklaven
in Amerika seinerzeit ihre Besitzer nannten.
Anmerkungen:
(1) Jean Baudrillard. Cool Memories 1980-1985. München
1989. S 152
(2) Vilém Flusser. Für eine Philosophie der Fotografie,
Göttingen 1983, S 13
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