Frank Böttcher

Banale Landschaft, technisch perfekt

Darüber zu klagen, daß unsere Erfahrung von Welt nur noch medial vermittelt und manipuliert sei, ist zumal in der bildenden Kunst ein Gemeinplatz geworden. Clemens Mitscher gelingt es, diese Wahrnehmungsstörung mehr als nur postmodern zu potenzieren oder fundamentalistisch zu verteufeln. Mit Vorliebe bearbeitet er eingefrorenen Sequenzen aus dem Fernseher, etwa vom CNN-Videoclip der Bombardierung des irakischen Führungsbunkers. Schon dies ist abgruendig genug, doch gerät bei ihm die Sequenz zum schönen, fast abstrakten Bild. Dessen Ursprung, die reale und gleichermassen die mediale Realitaet, ist nur noch ueber verborgene Verweise zu erkennen. In "Versuch 23" wird ein schwarzweißes Videobild mit zwei Blechbüchsen gezeigt - vage fühlt sich der Betrachter an Bilder erinnert, die er irgendwann im Kontext "Auschwitz" gesehen haben mag. Prompt fällt ihm als Stichwort "Zyklon B" ein. Doch wie befremdlich, es handelt sich tatsächlich um Büchsen mit Zyklon B. Herausragend ist auch die 16teilige Reihe mit Bildern von der früheren deutsch-deutschen Grenze, deren Negative so lange chemisch behandelt wurden, bis sie davon selbst kaum noch, um so mehr aber von Lager, Krieg, Bedrohung allgemein berichten. Mitschers moralische, ja politische Aufklärung bleibt frei von Moralin. Daß er in der geistigen wie formalen Haltung dem zeitigen Robert Rauschenberg der frühen sechziger Jahre verwandt ist, ist nur folgerichtig.

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